Behinderten-Testament: Vorsorge für das kranke Kind

Eltern von behinderten Kindern tragen eine enorme Last und oft die Sorgen um das Kind über den eigenen Tod hinaus. Es gibt ein besonderes Testament, das dieser speziellen Lebenssituation gerecht wird: das Behinderten-Testament.

Unter einem Behinderten-Testament versteht man eine letztwillige Verfügung, die von Eltern behinderter Kinder abgefasst wird und Sonderregeln in Bezug auf das behinderte Kind enthält. Das Ziel dieser Verfügung besteht darin, dem Erben trotz seiner Erbschaft die volle staatliche Unterstützung zu erhalten, ohne dass das vererbte Vermögen hierfür eingesetzt werden muss.

Das Vermögen soll dafür eingesetzt werden, um persönliche Leistungen, wie Kleidung, Ausflüge, Besuche, Urlaub und Unterstützung von Hobbies für das behinderte Kind zu finanzieren. Erbt das behinderte Kind aufgrund der gesetzlichen Erbfolge, so kann das Ererbte dem Sozialhilfeträger zufallen. Da der Erbe, wenn der Schonbetrag von 2.600 Euro (§ 1 der Verordnung zu § 90 SGB XII) überschritten ist, „Selbstzahler“ wird. Dieser erhält erst dann wieder Sozialhilfeleistungen, wenn das Vermögen weitgehend aufgebraucht ist.

Folgendes ist für das Behinderten-Testament zu beachten:

  • Immer in notarieller Form
  • Das behinderte Kind wird zum nicht befreiten Vorerbe (insbesondere von Immobilien, §§ 2112 ff. BGB)
  • Erbteil soll den Pflichtteil geringfügig übersteigen (ca. 10 %, siehe Grundsatzurteil des Bundesgerichtshofs 1993 in Verbindung mit § 138 BGB)
  • Der Verwendungszweck der  Leistung aus der Immobilie oder sonstigen laufenden Erträgen, wie Zinsen oder Rentenzahlungen, werden klar definiert
  • Der Nacherbe kann der überlebende Ehegatte oder Geschwister/sonstige Personen sein
  • Ein Dauertestamentsvollstrecker ist zu bestimmen

gem. Bundesgerichtshof 1993, Grundsatzentscheidung, verstößt nicht gegen § 138 Abs. 1 BGB

Lösungen beim Vererben von Geldvermögen

Wegen der schwierigen rechtlichen Lage sollte dringend ein spezialisierter Notar aufgesucht werden. Lösungen bei dem Vererben von Geldvermögen können klassische Rentenversicherungen sein, die konkret im Testament mit Verwendungszweck benannt werden.

In der Praxis geht es neben Immobilienwerten incl. deren Erträge natürlich auch um Geldvermögen.  Werden Versicherungsverträge mit Rentenleistungen zu Gunsten des behinderten Kindes abgeschlossen, so ist die Vorgehensweise analog der Immobilien zu Handhaben. In jedem Fall ist eine qualifizierte Rechtsberatung zu empfehlen und ein notarielles Testament zu errichten.

Über M. Winkler

Ich arbeite schon immer im Bereich der finanziellen Vorsorgen als Berater oder Trainer. Sehr persönlich musste ich erfahren, wie wichtig die immateriellen Vorsorgen sind. Erst beides gibt uns etwas Sicherheit. Damit werden schwierige Situationen des Lebens nicht noch komplizierter. Außerdem entlastet man seine Lieben. In meinem Buch "Vorsorgen ist keine Frage des Alters" beschreibe ich beide Vorsorge-Aspekte.
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4 Antworten auf Behinderten-Testament: Vorsorge für das kranke Kind

  1. Claudia Behringer sagt:

    Vielen Dank Margit Winkler! Dieser Hinweis hilft vielen Familien mit behinderten Kindern.
    Ich freue mich, dass ich den Betroffenen mit den Ausführungen helfen kann.
    Claudia Behringer
    Finanzmaklerin
    Generationenberaterin IHK

    • topadmin sagt:

      In der Arbeit in der GenerationenBeratung merkt man die tatsächlichen Beweggründe der Anlagenberatung. Zinssatz und Laufzeiten sind eben nicht alles. Mit solchen Tipps können wir die Eltern von behinderten Kindern tatsächlich unterstützen. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihren Beratungen. Herzliche Grüße Margit Winkler

  2. Ihr Beitrag dürfte vielen betroffenen Eltern Mut geben und ihnen weiterhelfen.

    • M. Winkler sagt:

      Bei Vorträgen und Workshops zum Thema bin ich immer wieder erstaunt, dass es eine Vielzahl von Famiien gibt, die betroffen sind. Ich kann mich gut an eine Äußerung einer betroffenen Familie erinnern, die 3 gesunde und 2 behinderte Kinder hat. Die Eltern sind bereits über 80 Jahre und die Kinder zwischen 50 und 60 Jahre. “Bei uns hat sich immer alles um die zwei kranken Kinder gedreht. Im Vergleich zu unseren Kollegen von früher konnten wir unser Geld nicht ausgeben. Wir konnten nie in Urlaub und uns die Welt anschauen. Die Kinder haben uns immer gebraucht.” Diese Eltern wollen natürlich, dass es den “Kindern” auch später noch gut geht und sie etwas von ihrem Erbe haben. Und wenn es für einen Betreuer ist, der mit dem Kind sparzieren geht, etwas zusätzliches Geld für Kleidung da ist oder für ein Hobby. Meist geht es um die kleinen Dinge des Lebens.

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